Eine Methode der Therapie: Schreiben.
Sometimes therapy is writing.

In unregelmäßigen Abständen schreibe ich.
Ich schreibe um zu verarbeiten, um zu verstehen und um zu fühlen.
Die Worte die ich wähle sind meine. Alles das es hier zu lesen gibt ist also intimste Auseinandersetzung mit mir selbst.
Ich bitte diese Texte mit dem entsprechenden Respekt und Nachsicht zu verstehen.

The following are texts that I wrote during hardship and intense work.
I kindly ask for you to view them as what they are: a deep look into the vulnerable thoughts and feelings of myself.
These don't aim to be true nor reflective of anything or anyone else but me.

Jugendliebe (ca. 2018)


Er ist schön wenn er sein Buch öffnet, sich sachlich gibt zu den unsachlichsten Themen, Notizen liest, zu Vorwürfen, Ängsten, Anschuldigungen, sich stellt, er scheint keine Angst zu kennen.

Nicht wenn es um uns geht. Wir sind sicher.

Der Zweifel stärkt uns. Weil wir bereit sind zu fragen. Das Ende niemals verleugnen.

Liebe ist.. wenn er sich schämt für das was er mir zeigt.

Ich bewundere ihn. Wunder, Unerklärliches, Alles bis zum letzten zu teilen.

Ungeachtet – oder gerade geschuldet der Gefahren.

Wenn er gehen will, kann er gehen, wird er gehen. Ich werde ihn lieben. Alles wird sich ändern. Aber niemals vergessen.

Vielleicht werde ich vergessen wie unberührt seine Haut aussieht, vielleicht vergesse ich die feingliedrigen Finger, an den zerbrechlichen Handgelenken.

Vielleicht vergesse ich die Ader unter seinem linken Auge, alles Feine an ihm.

Was ich fühle wenn ich mikroskopische Aufnahmen, Quadratzentimeter für Quadratzentimeter, von seiner Oberfläche mache, aber, hat einen tiefergehenden Einfluss auf mich. Bringt mich zum Kern meiner Selbst, erinnert mich, begriffsfern, an alles Lebenswerte.

Seit ich ihn kenne, uns kenne, glaube ich an Verbindungen zwischen Menschen.

An Urvertrauen.

Das wird immer bleiben.

Auch wenn wir nicht mehr eins sind.

Nicht Mehr (2019)

Ich soll nicht lieben.

Niemanden anders als ihn.

Nicht mein Kind, nicht den anderen Mann, nicht meine Freunde.

Denn alles was nicht er ist, ist Mittelmäßigkeit, sind Kneipenabende, ist leer.

Alles was nicht seinem Ideal entspricht ist unwürdig und alles was unwürdig ist, kann nicht ich sein, denn ich bin Er und Er ist ich.

Und doch bin ich Jemand anders.

Jemand, der Gefahr verkörpert.

Abhängigkeit, Geschwindigkeit, ungebremst, unbedacht, unkontrolliert.

In homöopathischen Dosen versteht sich.

Gut eingeteilt nach seinem Augenmaß.

Alles wie er beliebt.

Alles nach seinem Geschmack.

Aber ich schmecke nicht nach Laktose versetzten Globoli.

Immer mischt sich bittere, scharfe Aufregung unter die leichte Süße.

Auch das soll sein.

Genau so.

Aber nicht mehr.

What he called me (ca. 2020)
 

He called me pretty. 

He called me smart. 

He called me funny. 

He called me weird. 

He also called me stupid. 

He said I was a failure. 

He said I was a loser just like my mother. 





He said I had pretty liips. 

He said I had beautiful eyes. 

He called me his little bird. 

He asked to touch me. 

He made me feel good. 

He said I did well. 

He asked me to come to the other room. 

He said I'd like it. 

He said it wouldn't hurt. 

He called me pretty. 

He asked if I was a virgin. 

He said i was a good fuck. 





He said we didn't have to do it. 

He called me his angel. 

He called me his first love. 

He said it will be okay. 

He called me his eternal love. 

He said it's the right decision. That we were too young. 

He called me an ice block. 

He said he didn't want my pity. 





He called me his friend. 

He said I was misleading. 





He called me special. 

He called me smart. 

He said I was funny. 

He said I was different. 

He said he loved me. 

He called me mean. 

He called me a cheater. 

He told me to never come back. 





He asked for forgiveness. 

He said I had trust issues. 

He told me to keep the baby quiet. 

He yelled. 

He called me a failure. 

He called me stupid. 

He said I was cold. 

He said I had no feelings. 





He said I looked special. 

He said I was smart. 

He said I wasn't skinny enough. 

He said he loved my muscles. 

He called me a tomboy. 

He called me confused. 

He said I had daddy issues. 

He called me the best sex in his life. 

He called me emberrassing. 

He said I was too sensitive. 

He called me dirty. 

He said I was overwhelming. 

He said he needed his freedom. 

He called me a slut. 

He said I was cold. 

He told me to stop or otherwise... 

He called me a liar. 





He said he was grateful. 

He called me a stupid child. 

He said i was stupid. 

He said they just wanted to fuck me. 

He called me misleading. 

He called me his love. 

He called me beneficial. 

He said I wasn't just pretty. 

He called me special. 

He said I was stupid. 

He said he didn't mean it. 

He said I was too serious. 

He called me his girl. 



The good kid (ca. 2019)

He never said I was good.

Neither was I ever good enough.

I wasn't sure if he loved me.

He didn't say it.

She said she loved me.

She didn't show much of it though.

She was never proud. Never disappointed.

They weren't worried.

They didn't check if I had done my homework.

They didn't care if I went to school.

She said she loved me.

„But I can't help you with that.“

„Life is hard.“

When he beat her they didn't think about what it would do to me.

When he said she was a looser he didn't care how I'd feel.

When she said he was disgusting she didn't care how I'd feel.

When he killed himself he didn't think of me.

It did not matter.

I did not matter.



When actually.

They should have felt fucking blessed by the fat pink baby angels in the vanilla cotton candy skies that their pitiful lives were made just a little less worthless by my sheer existence.

They should have felt the sun shine out of their egocentric assholes when I tried to fullfil their crazy fucked up expectations of life.



I might never be okay.

But I will always be better than this.


Teenageboys 

When I was a teenager all the girls around me dressed to get attention of the cool boys.

I just wanted to dress like the cool boys.

I didn't want them to like me.

I wanted to be like them.

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Die Anstrengung

 

Die Anstrengung ist ein Zustand, den ich gelernt habe, so allgegenwärtig zu machen, dass er kaum mehr wahrnehmbar wird. 



Gedanken, Emotionen, Geist, Gefühle, alles eins. Bin ich beschäftigt kann ich nicht denken, kann ich nicht fühlen. Kann ich nicht fühlen, bleibt kein Raum zu genießen, bleibt keine Freude am Essen, bleibt keine Freude an Gesellschaft, bleibt keine Freude am Fühlen. 



Langsam werden, langsam denken, langsam fühlen. Zeit und Raum ausdehnen. 

Postkartenparadies (2019)

Postkartenparadies. Salz überall. Verbrannte Haut. Männer, mittelalt bis graubärtig trinken an der Bar. Getränke in Bonbonfarben, gemischt mit Wasser aus schwitzenden lokalen Glasflaschen. Kastanien spenden Schatten, ein Straßenhund streunert, biedert sich an in der Hoffnung auf Essensreste. Stein. Alles ist aus Stein. Plätze, Gebäude, Strand, Wände. Kühlender Schatten gespendet von Pflanzen. Blätter wie Schirme. Moos zeugt von künstlicher Befeuchtung. Der Kellner riecht nach Kosmetik, ein verstörender Geruch nach dem langen Abstand zu sozialen Konventionen.

Als ich 9 war bin ich gestorben (2020)

Als ich 9 war hat sie mich nicht abgeholt.

Das war das 153te mal dass ich gestorben bin. Viele viele male tot. Klein oder groß gestorben.

Aber immer in Stille. Keine Schreie. Manchmal kotzen. Oft weinen. Aber nie laut.

Laut wäre verboten gewesen. Dann hätte ich gestört.

Noch mehr Gewicht. Ich muss federleicht sein. Darf nicht existieren. Am besten verschwinden.

Aber auch das wäre zu viel Belastung.

Verschwundenes Kind.



Ich hätte gern etwas gehabt. Etwas bekommen. Heute ist es zu spät.

Ich kann mich selbst von der Schule abholen.

So wie ich früher allein nach hause gehen konnte.

Alles konnte ich allein. Hat sich niemand kümmern brauchen.

Nadja macht das schon. Die ist stark. Der kann man das zumuten.

Und wenn sie mich gesehen hätten?

Ich weiß nicht wie das ist.



Die Kuscheltiere waren da. Es gab die Geschichten in den Büchern.



Ich will nicht mehr schreiben.

Ich will das alle weg gehen.



Als ich klein war haben sie mich nicht gesehen. Klein. Klein.

Darf ich nicht sein.

Hohlkreuz. X-Beine. Schweinenase. Spastiken. Krampfen. Angst. Hände verkrampft.

Hoffentlich guckt keiner.

Nägel abgekaut. Pfui. Gesicht verkrampft.

Mach Mama keine Sorgen.

Schatz was machst du da? Du zuckst schon wieder. Nicht an den Nägeln kauen.



Wo gehe ich hin? Welche Eltern nehmen mich noch auf? Wer stellt keine Fragen warum ich nie nach Hause gehe?



Sie trägt immer kurze Röcke und hohe Schuhe.

Sie lächelt komisch. Nicht mich lächelt sie an.

Ich bin die Erinnerung an Alex. Mein Gesicht zeigt ihn ihr.

Beide sind sie ein Teil von mir. Beide ertragen sie die Präsenz des Anderen nicht. Beide erinnert durch mich.

Andere Kinder entstehen aus Liebe. Ich entstand aus Hass. Ich sollte nicht existieren.

Trotzdem bin ich da.

Und jetzt weiß keiner was mit mir anzufangen.

Ich am wenigsten.

Wenn ich alleine bin geht es. Dann guckt niemand.

Dann bin ich nicht falsch.